Mütter Burnout

Mütterburnout: Die unsichtbare Last und ihre Auswirkungen auf Mütter –
Ein Blick auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

Mütter haben schon immer eine besondere Rolle innerhalb der Familie und Gesellschaft gespielt. Sie sind oft die Hauptverantwortlichen für die Pflege und Erziehung der Kinder, gleichzeitig aber auch für den Haushalt und häufig beruflich aktiv. In den letzten Jahren hat sich jedoch zunehmend ein Phänomen in den Vordergrund gerückt, das immer mehr Frauen betrifft und in der breiten Öffentlichkeit noch zu wenig Beachtung findet: der Mütterburnout.

Dieser Artikel beleuchtet die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Mütterburnout, seiner Entstehung, den psychischen und physischen Auswirkungen sowie den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die dieses Problem begünstigen.

Was ist überhaupt Mütterburnout?

Mütterburnout beschreibt einen Zustand der totalen emotionalen, physischen und psychischen Erschöpfung, der durch die Überforderung bei der Erziehung von Kindern und der Bewältigung der familiären und beruflichen Anforderungen verursacht wird. Es handelt sich hierbei um ein Phänomen, das über eine einfache Müdigkeit hinausgeht. Betroffene erleben eine tiefe Erschöpfung, Entfremdung von den eigenen Kindern und eine drastische Abnahme der Lebensqualität.

Während Burnout in der breiten Gesellschaft oft mit beruflicher Überlastung assoziiert wird, ist Mütterburnout ein Phänomen, das vor allem in familiären Kontexten auftritt und eng mit den sozialen und kulturellen Erwartungen an Mütter verknüpft ist. Es betrifft Frauen, die zwischen den Ansprüchen von Kindern, Arbeit und dem sozialen Druck, eine „perfekte Mutter“ zu sein, hin- und hergerissen sind.

Die Ursachen von Mütterburnout

Mütterburnout ist nicht das Ergebnis eines einzelnen Faktors, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Diese lassen sich in biologische, psychologische und soziale Bereiche unterteilen:

1. Überlastung durch ungleich verteilte Care-Arbeit**: In vielen Ländern übernehmen Frauen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit, das heißt, die Pflege von Kindern, Angehörigen oder dem Haushalt. Diese Aufgaben werden gesellschaftlich oft als selbstverständlich angesehen, was zu einer enormen Belastung führt. Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass Mütter weltweit im Durchschnitt etwa doppelt so viele Stunden für unbezahlte Arbeit aufwenden wie Väter.

2. Hohe Erwartungen an die „perfekte Mutter“: In modernen Gesellschaften gibt es einen starken Druck auf Mütter, eine „perfekte“ Balance zwischen Berufsleben und Elternschaft zu finden. Dieser Druck kommt nicht nur von außen, sondern auch von den eigenen Ansprüchen an sich selbst. Laut einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2022 fühlen sich rund 60 % der Mütter in Deutschland durch gesellschaftliche Ideale überfordert.

3. Fehlende soziale Unterstützung: Mütter, die keine ausreichende Unterstützung durch Partner, Familie oder Freunde haben, sind besonders gefährdet, auszubrennen. Eine im Journal of Family Psychology veröffentlichte Studie von 2023 betonte, dass der Rückhalt durch das soziale Netzwerk ein wesentlicher Faktor zur Prävention von Mütterburnout ist.

4. Fehlende berufliche Flexibilität: Auch wenn immer mehr Unternehmen flexible Arbeitsmodelle anbieten, sind es vor allem Frauen, die von den beruflichen Anforderungen am stärksten betroffen sind. In einer Umfrage von 2024 gaben 45 % der Mütter an, Schwierigkeiten zu haben, Arbeit und Familie in Einklang zu bringen. Besonders in Zeiten von Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten wird oft erwartet, dass Frauen sowohl zuhause als auch im Beruf gleichermaßen produktiv sind, was die Belastung weiter verstärkt.

Symptome und Auswirkungen von Mütterburnout

Die Symptome von Mütterburnout sind vielfältig und oft subtil. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

– Emotionale Erschöpfung: Betroffene fühlen sich ständig müde, ausgebrannt und haben Schwierigkeiten, sich zu erholen. Der Verlust der Energie kann zu einer ständigen Überforderung führen.
– Zynismus und Entfremdung: Mütter erleben häufig das Gefühl der Entfremdung von ihren eigenen Kindern, was zu einem Mangel an Bindung und Empathie führen kann.
– Schuldgefühle und Selbstkritik: Viele Mütter leiden unter ständigen Schuldgefühlen, weil sie das Gefühl haben, den Anforderungen nicht gerecht zu werden – sei es als Mutter, Partnerin oder Berufstätige.
– Körperliche Beschwerden: Mütterburnout kann sich auch in körperlichen Symptomen manifestieren, wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder sogar chronischen Schmerzen.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Mütterburnout nicht nur die psychische Gesundheit beeinträchtigt, sondern auch langfristige Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben kann. Eine Studie des American Journal of Public Health aus dem Jahr 2023 fand heraus, dass Frauen, die an Mütterburnout leiden, ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes aufweisen.

Prävention und Unterstützung

Die Prävention von Mütterburnout erfordert ein ganzheitliches Vorgehen, das sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Maßnahmen umfasst:

1. Erhöhung der gesellschaftlichen Wertschätzung für Care-Arbeit: Eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen ist, die unbezahlte Arbeit von Müttern stärker anzuerkennen und eine gerechtere Verteilung der Care-Arbeit innerhalb der Familie und der Gesellschaft zu fördern. Politiker und Unternehmen sollten Anreize schaffen, um die gleichberechtigte Aufteilung von Familienarbeit zwischen Männern und Frauen zu fördern.

2. Förderung von beruflicher Flexibilität und Teilzeitarbeit: Arbeitszeiten, die sich an die Bedürfnisse von Müttern anpassen, sowie eine stärkere Förderung von Homeoffice-Modellen können die Belastung verringern und Müttern helfen, eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie zu finden.

3. Bessere psychologische Unterstützung: Psychotherapie, Beratung und Selbsthilfegruppen können betroffenen Müttern helfen, mit den Herausforderungen des Alltags besser umzugehen und ihre Ressourcen neu zu aktivieren.

4. Soziale Netzwerke stärken: Mütter benötigen Unterstützung durch Partner, Familie und Freunde, um die Belastungen des Mutterseins zu bewältigen. Das Aufbauen von sozialen Netzwerken, in denen Frauen sich gegenseitig unterstützen, kann dabei helfen, Einsamkeit und Überforderung zu reduzieren.

Fazit: Ein gesellschaftliches Problem, das mehr Aufmerksamkeit verdient

Mütterburnout ist ein ernstzunehmendes Problem, das nicht nur die betroffenen Frauen, sondern auch ihre Familien und die Gesellschaft insgesamt betrifft. Die steigende Zahl an Müttern, die sich erschöpft und ausgebrannt fühlen, zeigt deutlich, dass Veränderungen auf mehreren Ebenen notwendig sind. Nur durch eine bessere Verteilung der Care-Arbeit, eine stärkere Unterstützung von Müttern und eine realistische Wahrnehmung der Anforderungen an Eltern kann Mütterburnout langfristig verhindert werden. Es ist an der Zeit, dass wir das Thema Mütterburnout nicht nur als individuelles, sondern als gesellschaftliches Problem anerkennen und Lösungen finden, die den Druck auf Mütter mindern.

Verfasserin: Natalie Wendekamm


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